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Plattdeutsche Geschichten
Sabine Schierholz und Ernst Meier

zurĂĽck zur Ăśbersicht 2008

KĂĽrn eoder schwĂĽigen?   16.08.08

 In´n 18. Johrhunnert hät de Pasteor van Cölln dat lippske Gemoite os verschlotten, hĂĽttkerg (= menschenscheu) un schwĂĽigsom beschrĂĽiben. De Lipper sind ol jĂĽmmer warschĂĽrg wesen un hät sick nich met jeuden inloten. Den Kinnern word bĂĽibrocht, dat et bätter es teo lustern os teo kĂĽrn: „Wer kĂĽrt, de saijet, wer heuert, de maihet.“ Wer teohort, de kann wat nĂĽjjet lern un kann dat os „Ahrnten“ metniehmen. Dat Teolustern ĂĽmme dobĂĽi wat teo lern gull os redlike StehlarĂĽjje: de Minsk de teohort hät wat dovan un den, de wat vatellt wärt nicks nommen. In´n Sprichweort hett hat: „Stehl dui wat, seo hät diu wat, öbber lott jeudermann dat Siune.“ Ă–ber man hät auk wuĂźt, wo schwanke eunen de SaaparĂĽjje inne Prädullje bringen kann. DorĂĽmme word sächt: „SchwĂĽigen un denken kann keunen kränken.“ un „Et es better stille schwĂĽigen, os van KĂĽrn Puine kruijen.“ Wänn euner sĂĽinen Bawwel nich haulen konn, see man teo änne: „Heuerst diu wat NĂĽjjetm dänn bölke et int Holte, wat diu dovan wierheuerst, dat vatelle foider.“ un de Kerl (eoder de Friu, eun „aulet Reff“) word wahrnt: „Giff der Schniuten nich teo vell Verläuf, dat seu met dui nich dĂĽrgeuht.“ Hät dat nich hulpen, word änne klipp un klor sächt: „Diu aulet Saapees! Wenn diu mol stärwet, dänn mott dĂĽi dat Miul nau besonners dautschloen wern.“ Hät dat Saapees dänn eune WĂĽile den Mund haulen, dänn hät et in´n Dörpe heuten. „Heu (eoder et) hät sick mol wier de Tehne verkuilt.“ Ă–ber lange hät dat meustens nich haulen, dänn: „Dat es euner, de hät van´n Hönnerstuite (= HĂĽhnerbĂĽrzel; dovan hät man Schetterge kriegen) getten, dörĂĽmme kann heu nicks bui sick behaulen.“

 

Reden oder Schweigen?

Im 18. jahrhundert hat der Pastor von Köln das lippische GemĂĽt als verschlossen, menschenscheu und schweigsam beschrieben. Die Lipper sind schon immer misstrauisch gewesen und haben sich nicht mit jedem eingelassen. Den Kindern wurde beigebracht, dass es besser ist zu hören als zu reden: Wer redet, der sät, wer hört, der erntet. Wer zuhört, der kann was Neues lernen und kann das als „Ernte“ mitnehmen. Das Zuhören, um etwas dabei zu lernen galt als redlicher Diebstahl: Der Mensch, der zuhört, hat was davon und dem, der etwas erzählt, wird nichts genommen. In einem Sprichwort hieĂź es: „Stiehl dir was, so hast du was, aber lass jedem das Seine.“ Aber man hat auch gewusst, wie schnell einen die Schwätzerei in Schwierigkeiten bringen kann. Darum wurde gesagt: „Schweigen und Denken kann keinen kränken,“ und „Es ist besser, still zu schweigen, als vom Reden Schmerzen zu bekommen.“ Wenn einer seinen Mund nicht halten konnte, sagte man zu ihm: „Hörst du was neues, dann rufe es in den Wald, was du davon wiederhörst, das erzähle weiter,“ und der Man (oder die Frau, eine „alte Tratsche“) wurde gewarnt: „Gib deinem Mund nicht zu viel Lauf, dass er mit dir nicht durchgeht.“  Hatte das nicht geholfen, wurde einem klipp und klar gesagt: „Du alter Quasselkopf! Wenn du mal stirbst, dann muss dein Mund noch extra totgeschlagen werden.“ Hat der Quasselkopf dann eine Weile den Mund gehalten, dann hieĂź es im Dorf: „Er (oder sie) hat sich mal wieder die Zähne verkĂĽhlt.“ Aber lange hat das meistens nicht gehalten, denn: „Das ist einer, der hat vom HĂĽhnerbĂĽrzel gegessen (davon bekam man Durchfall), darum kann er nichts bei sich behalten.“